HWC Team 2014

Wendepunkt führte für Karim nach Glasgow

Karim Fawzy hat sich durch seinen persönlichen Alptraum durchgekämpft, um seinen Traum beim diesjährigen Homeless World Cup in Glasgow zu leben. Der 34-Jährige freut sich auf eine viel bessere Zukunft wieder zuhause in Österreich, nachdem er eine lebensbedrohliche Drogenabhängigkeit überwunden hat.

Karim Fawzy, Spieler des österreichischen Homeless World Cup Teams 2016, im roten Trikot und mit einem Fußball

(c) Romain Kedochim / Homeless World Cup

„Ich bin in Wien geboren und habe angefangen Drogen zu nehmen, als ich 17 war“, sagt er. „Das war nicht nur hin und wieder, sondern die ganze Zeit und es war alles wie Kokain, Heroin, Morphin. Ich bin aus einer schlimmen Beziehung gekommen und habe die Drogen genommen, um nichts fühlen zu müssen; um vergessen zu können“.

„Ich bin nicht mit Marihuana eingestiegen, so wie das viele Leute machen, ich habe gleich mit Heroin begonnen. Das hatte nichts mit experimentieren zu tun, ich habe gewusst, um was es geht“.

 

15 Jahre lang drogenabhängig

Sein Leben mit den Drogen hat 15 Jahre gedauert und ihm die Chance genommen, seinen Sohn aufwachsen zu sehen, etwas das er entschlossen ist wieder gut zu machen, jetzt wo er seine Therapie erfolgreich abgeschlossen hat.

„Fünfzehn Jahre, das ist eine lange Zeit, um nicht für deinen Sohn da zu sein, aber ich versuche das gerade wieder bei ihm gut zu machen“, erzählt er. „Ich möchte, dass er weiß, ich bin da für ihn, wenn er mich braucht. Mehr kann ich nicht tun“.

Nach dem letzten Spiel beim Homeless World Cup in Glasgow: Karim feiert mit seinem und anderen Teams (linke untere Ecke).

"Ich habe ausgesehen wie ein Geist"

Es war ein Gespräch mit dem Teenager, das Karim geholfen hat, ihn auf den Weg der Besserung zu bringen, wie er erklärt.

„15 Jahre lang habe ich Drogen genommen und zum Schluss habe ich ausgeschaut wie ein Geist“, fügt Karim hinzu und hofft, dass er in Kürze die Lehrabschlussprüfung schafft, die ihm erlaubt, als Elektrofachmann tätig zu sein.

„Bevor ich mit der Therapie begonnen habe, habe ich ein Foto von mir selbst gemacht, aber ich habe mich darauf nicht wiedererkannt. Während ich Drogen genommen habe, habe ich nicht wahrgenommen, dass ich so schlecht ausgeschaut habe: Ich dachte, dass ich gut aussehe und es mir auch gut geht. Nachdem ich clean war, habe ich mir gedacht ‚oh mein Gott, schau mich an‘“.

Karim (r.) beim Tischfußball in Glasgow

"Ich war wie ein toter Mann."

„Meine Augen waren leblos und mir ist klar geworden, dass ich dabei war mich selbst umzubringen, und dass ich in zwei Jahren eventuell gar nicht mehr da sein werde. Mein Sohn und seine Mutter haben mit mir darüber gesprochen und gesagt, dass sie nicht miterleben wollen, wie ich unter die Erde komme.“

„Ich habe angefangen nachzudenken, dass es womöglich wahr ist, was sie mir da gesagt haben und habe beschlossen eine Therapie zu machen, um clean zu werden – für mich und meinen Sohn. Ich war kein guter Vater, als er jünger war. Das will ich ändern, aber es ist sehr schwer“.

 

Vorbild Franz Wohlfahrt

Aufgewachsen in Wien, war Karim schon immer ein großer Fußballfan, wobei der ehemalige österreichische und internationale Torhüter Franz Wohlfahrt sein spezieller Favorit ist.

Dass er jetzt sein Land beim diesjährigen Homeless World Cup in Glasgow vertreten durfte, ist daher etwas, das der Goalie für immer zu schätzen wissen wird.

 

Ein Traum wird wahr - Karim darf das österreichische Trikot tragen

„Meine Therapie habe ich vor einem Jahr abgeschlossen und bin dann LOGIN beigetreten. Das ist eine Sozialhilfeeinrichtung, die mit Menschen arbeitet, die gerade aus der Drogentherapie kommen. Dann habe ich wieder angefangen, Fußball zu spielen“, sagt er. „Als ich ein Kind war, habe ich dem österreichischen Nationalteam zugeschaut und es ist ein Traum wahr geworden für mich, das österreichische Trikot bei einer Weltmeisterschaft tragen zu dürfen! Das ist die beste Zeit meines Lebens, da bin ich mir sicher, 100-prozentig.“

„Fußball bedeutet für mich Leben! Glasgow ist eine ganz spezielle Erfahrung für mich. Ich bin 34 Jahre alt und bin gerade dabei, meine Träume zu verwirklichen."

 

"Niemand kann Drogen kontrollieren"

Karim ist einer der Glücklichen, die ihre Drogenabhängigkeit besiegen konnten, und er hat eine klare Botschaft für alle, die daran denken, sich auf Drogen einzulassen.

„Niemand kann Drogen kontrollieren, Drogen werden immer dich kontrollieren. Ich möchte den Leuten sagen, dass es nie zu spät ist, damit aufzuhören. Wenn sie damit aufhören wollen, dann schaffen sie das auch“, sagt er.

„Ich kann jetzt zum ersten Mal erkennen, dass das Leben Spaß machen kann. Jeder Mensch hat Probleme, aber nicht jeder nimmt Drogen. Probleme können ohne Drogen gelöst werden“.

 

Text: Paul Kiddie

Übersetzung: Katharina Waibl

Hier geht es zum Original-Text auf Englisch

Menschen wie Karim helfen, im Fußball neue Kraft zu finden - unterstützen Sie mit Ihrer Spende das österreichische Homeless World Cup Team:

Für Ihre Spende stellen wir Ihnen unsere Team-Hymne "Neue Helden (Original)" von Wolfgang Laab zur Verfügung.