Der Homeless World Cup - die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft

Matchszene HWC Chile

Nuria trifft Manfred Gaulhofer

10.07.17 / 16:31

 

 

Nuria im Gespräch mit Manfred Gaulhofer

Ich nehme an, dass sie schon seit einigen Jahren beim Homeless World Cup dabei sind. Auf einigen Fotos sind Sie ausschließlich mit langen Haaren zu sehen.   

(lacht) Ja, das mag zutreffen. Vor 14 Jahren war Graz Kulturhauptstadt Europas und seitdem bin ich dabei!

Das heißt wir haben hier ein weiteres “HWC- Urgestein“. Wie haben Sie von diesem Projekt erfahren?

 Ich war im Jahr 2003 einer der Geschäftsführer der GmbH [Anmerk.: 2003 GmbH als Veranstalter des europäischen Kulturhauptstadtjahres Graz 2003]. Damals, also im Vorlauf zu 2003, sind eben Harald Schmied, einige weitere Personen von der Caritas und der damalige Kulturstadtrat Helmut Strobl zu uns gekommen, mit der Frage, ob wir uns vorstellen könnten, dieses Homeless World Cup als Programmpunkt einzubauen. Die Entscheidung fiel sehr rasch und noch dazu passte sie damals ins Konzept der Kulturhauptstadt Europas perfekt hinein. 

Stieß die Idee nur auf Begeisterung?

Auf der einen Seite hatten wir Bürgermeister Alfred Stingl, der von der Idee  sofort angetan war und uns seine Unterstützung zusagte. Auf der anderen Seite hat es durchaus Mitglieder der Stadtregierung gegeben die nicht sehr begeistert waren. Da gab es zum Beispiel einen, der saß oben in einem  großen Büro mit dem Blick zum Hauptplatz hinunter. Er versicherte uns, wenn die Meisterschaft stattfinden sollte, dann auf keinem Fall am Hauptplatz. Genau auf dem Hauptplatz hat dann aber das Finale des Homeless World Cup stattgefunden. Nicht nur das, es hat damit geendet, dass die Österreicher Weltmeister geworden sind!

Manfred Gaulhofer mit dem österreichischen Team bei der sozialen Straßenfußball-Weltmeisterschaft 2015 in Amsterdam

Als kontinuierlicher Sponsor des HWC Österreich sind Sie bei allem sehr aktiv dabei. Sind Sie ebenfalls ein Hobby-Fußballer?  

Als  Firmen-Sponsoring ist es ja oft so, dass man einen bestimmten Betrag hin zahlt und that’s it. Aber es gibt auch Projekte wo einem das Herz daran hängt und weil man auch von den Dingen sehr  überzeugt ist. Beim HWC ist das genau der Fall.  Es ist eine Initiative  die nicht nur Obdachlosen, Flüchtlingen oder Ex-Junkies hilft im Leben voranzukommen, man erreicht über diese symbolischen Veranstaltungen teilweise ein besseres Verständnis für solche Menschen und deren Probleme in der Gesellschaft. Abgesehen davon war eher mein Bruder der Profi-Fußballer, ich selbst war nicht mehr als ein Hobbyfußballer.   

Was genau meinen Sie mit „man erreicht ein besseres Verständnis für die Gesellschaft“ Können Sie mir da ein Beispiel nennen?

Ich war vor ein paar Tagen bei einer Veranstaltung in einem Flüchtlingsquartier, der Einkehr in Graz- Mariatrost. Die Veranstaltung  war unglaublich toll und es wurde wunderbarst gekocht.  Wenn man mit den Leuten so spricht, dann gibt es eine Sache was allen auf dem Kopf fällt. Die Arbeitserlaubnis wird ihnen vorenthalten.   Jeder von uns weiß, dass unsere Gesellschaft auf Arbeit und  Einsatz der Arbeitskraft ausgerichtet ist. Arbeit zu haben ermöglicht sich selbst und die Familie zu erhalten und hat insgesamt einen unglaublichen Wert. Hier jahrelang zu sitzen und diese Möglichkeit nicht zu haben, ist schwerstbelastend für die Leute und natürlich gegen jegliche Art der Integration.

 

Da sie sind bei diesem Projekt einen weiteren Schritt gegangen und boten im November 2011 einem Spieler des Teams einen Arbeitsplatz an. Ist er noch bei Ihnen angestellt?

 

Der Mansur Ghulami war leider nur eine kurze Zeit bei uns. Wir haben uns damals von diesem Versuch einiges erhofft, der Grund warum er bei uns aufhörte war sein Umzug nach Wien.

Bei der Siegerehrung des Goal Open 2016 gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Barbara Riener

Haben Sie Ideen für das Projekt die sie zukünftig umsetzten/einbringen möchten? 

Ich hoffe, dass es uns irgendwann einmal gelingen wird - zumindest regional in der Steiermark - über die Initiative Goal eine Art Meisterschaft zu entwickeln. Es gibt ja das Goal Turnier, das einmal im Jahr stattfindet, wo Hobbykicker aus verschiedenen Teams und Gesellschafttsbereichen miteinander spielen. Dass man daraus laufend eine Art Meisterschaft mit verschiedenen Fußball-Mannschaften entwickeln könnte, wäre das nächste Ziel.      

Was war ihr persönlich schönster Moment beim Homeless World Cup?

Der Finaltag der Weltmeisterschaft im Sommer 2003 in Graz. Als die österreichische Mannschaft zum Schluss aufgerufen worden  ist und gemeinsam  die Bundeshymne mit 8000-10 000 Leute gesungen wurde.

Haben Sie ein paar abschließende Worte die sie Sponsor-Firmen weitergeben möchten?

Die Wirtschaft  ist heute der dominierende Gesellschaftsbereich . Ob das richtig oder falsch ist, ist eine andere Frage. Für mich ist ganz klar, dass Unternehmen neben ihrer reinen Rolle der Erstellung wirtschaftlicher Leistungen auch eine gesellschaftliche Rolle spielen. Meiner Meinung nach ist es als Unternehmen eine ganz klare Aufgabe, zu zeigen, dass neben den anerkannten Mitgliedern unserer Gesellschaft, die immer funktionieren, es auch andere gibt die genauso viel Wert sind, nur eben ganz einfach andere persönliche Merkmale aufweisen.  

 

Ich danke Ihnen für das Gespräch!