Der Homeless World Cup - die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft

Matchszene HWC Chile

Nuria trifft Klaus Fuchs

28.06.17 / 12:26

Den Auftakt unserer Interview-Reihe"Nuria trifft..." macht Klaus Fuchs, der nicht weniger als 13 Jahre lang ehrenamtlicher Trainer des österreichischen Homeless World Cup (HWC) Nationalteams war. Mit Ende 2016 legte er sein Amt nieder, mit Nuria lässt er nun seine Tätigkeit, die ihn rund um den Erdball führte, Revue passieren. Wir nutzen diese Gelegenheit, um Klaus auf diesem Weg nach einer kleinen internen Abschiedsfeier nun auch öffentlich Danke zu sagen!

Lesen sie Nurias Interview mit dem ehemaligen HWC-Trainer und sehen sie in der abschließenden Fotogalerie einen kleinen Auszug aus Klaus´ langjähriger Trainerlaufbahn beim Homeless World Cup Österreich:

So gut wie Klaus Fuchs kennt praktisch kein anderer den Homeless World Cup (HWC) Österreich. Vor genau 13 Jahren kam es zu einer bedeutungsvollen Wende in seinem Leben und er wurde zum offiziellen Trainer der HWC-Mannschaft in Österreich. An der Seite des damals noch aktiven Profifußballers Gilbert Prilasnig betreute er die Straßenkicker bei den sozialen Straßenfußball-Weltmeisterschaften in z. B. Rio, Melbourne oder Amsterdam. Klaus Fuchs arbeitet unglaublich gern mit Menschen und bietet im Interview das Du-Wort an.                                                                                  

Woher kennst du Harald Schmied [Anm.: Gründer des Homeless World Cups und langjähriger Leiter des österreichischen Projekts]?

Ich war damals ein aktiver Fußballspieler in einer Kampfmannschaft und unter anderem auch Trainer einer Fußball-Mannschaft in Murfeld. Als Harald nach Graz umgezogen ist, hat er seinen ältesten Sohn in dem Fußballverein angemeldet. Mit der Zeit, als wir ins Gespräch kamen, habe ich gesehen dass er ein begeisterter Fußballspieler ist.  Ich habe ihn gefragt, ob er nicht mit uns in der Kampfmannschaft professionell spielen möchte. Er hat zugestimmt und relativ bald hatten wir unser erstes Meisterschaftsspiel. Am Tag danach hat er mich angerufen, mit der Nachricht dass er nicht mehr zum Training kommen kann. Er hatte nach dem Spiel einen Herzinfarkt erlitten und musste somit aufhören.  

Mit der Gründungsidee des HWC im Jahr 2003 hatte er dir dann die Anfrage als Trainer gestellt?

Nicht ganz, erst im darauf folgenden Jahr. Zu Beginn war Sigi Milchberger der Trainer des HWC-Nationalteams. Als dann Milchberger die Mannschaft verließ, suchte Harald Schmied einen Trainer. Der Gilbert [Anm. Prilasnig] kam als Teamchef, war zu dieser Zeit aber selber noch ein aktiver Fußballprofi und hatte nicht immer Zeit die Mannschaft zu betreuen. Und so kam ich ins Spiel, habe dann über Jahre mit Gilbert das österreichische Team betreut.

Nur eine Mannschaft aus 8 Spielern vertritt ganz Österreich beim Homeless World Cup, der sozialen Straßenfußball-WM. Wie trefft ihr die Entscheidung welcher Spieler dabei sein darf?

Wir haben damals Turniere in Graz veranstaltet, wen wir ins Team aufnehmen. Aus ganz Österreich haben Mannschaften gegeneinander gespielt, und mit der besten Mannschaft sind wir zur Weltmeisterschaft gefahren.

Damals? Wird heute anderes darüber entschieden?

Ja. Ein Turnier zu veranstalten ist sehr kostenintensiv. Wir haben die Idee geboren, stattdessen Sichtungstrainings abzuhalten. Wir sind in die jeweiligen Bundesländer gefahren, haben dort mit den Spielern trainiert, um herauszufinden, welcher Spieler das Potential dazu hat und vor allem teilnahmeberechtigt ist. Nach den Sichtungstrainings sind wir mit den ausgewählten Spielern auf Trainingslager gefahren und erst am Ende haben wir die endgültige Entscheidung getroffen.

Aus welchen Gesellschafts-Kreisen kommen die Spieler zu dir?

Da gibt es verschiedenste Institutionen, die mit einzelnen Personen oder Gruppen zu uns kommen. Von der Alkoholberatung bis zur Drogenanstalt und  Obdachloseneinrichtung, aber wir haben durchaus Spieler die beispielsweise vom Zeitungsverkauf leben. In letzten Jahren zunehmend auch junge Asylwerber.

Das heißt, der Homeless World Cup betrifft nicht nur Homeless People?

Homeless war für uns nie ein Begriff der zutreffend war. In Österreich trifft es nicht ganz den Nagel auf den Kopf. Gott sei Dank! Es passt für unsere Verhältnisse einfach nicht, deswegen haben wir ja auch – in Abstimmung mit dem internationalen Reglement - Kriterien erstellt, wer daran teilnehmen darf.

Äußern sich die Spieler mit ihren persönlichen Problemen dem Trainer gegenüber?

Spieler mit einem Suchtproblem werden von einem Betreuer in ihrer jeweiligen Stammeinrichtung betreut. Wir, als Trainer, versuchen den Spielern durch den Fußball wieder Spaß am Leben zu vermitteln. Sie sollen denken, dass es doch Momente in ihrem Leben gibt, an denen sie nicht permanent mit ihren Problemen konfrontiert werden. Durch Projekte und spielerische Aktivitäten, erlernen sie Stück für Stück sich Ziele im Leben zu setzen.  

Wie kann man sicher stellen, dass die Spieler nicht wieder in ihr gewohntes Leben zurückkehren?

Die Nachbetreuung ist das Wichtigste an dem Ganzen. Projekte wie die Initiative Goal, wo es darum geht, dass die Spieler nach dem Turnier eine Chance haben ihre persönliche Lebenssituation zu verbessern. Bei einigen Spielern hatte die Teilnahme am HWC solche positiven Auswirkungen, dass sie z. B. eine Trainerausbildung danach absolvierten. Wir haben auch teilweise Spieler zu Vereinen vermittelt.

Klaus beim HWC 2013 in Poznan

Wie siehst du die Zukunft des HWC in Österreich?

Ganz groß! Wir schreiten mit kleinen Schritten, die jetzt vielleicht noch keine große Auswirkung haben, zum großen Ziel. Harald hat eines gemacht, den für mich besten Mann, Thomas Jäger erwischt. Er ist ein unglaublich engagierter, ideenreicher und netter Mensch, der zu 100 Prozent dahintersteht. Gemeinsam mit Gilbert bildet er das perfekte Team.  

Was war dein persönlich schönster Moment beim HWC?

Es sind unglaublich schöne Dinge in den 13 Jahren vorgefallen. Ich kann mich jetzt nicht an jedem einzelnen Tag erinnern, aber der allererste Homeless World Cup war sehr prägend für mich, was sich da alles abgespielt und festgesetzt hat war unglaublich. Unglaublich schön zu beobachten!

 

Kommen wir zur Abschlussfrage,  „Wer sollte dich spielen wenn dein Leben verfilmt wird“?

Steve Martin. (lacht) Ich bin zwar kein Komiker, aber ich denke das Leben ist ernst genug, da sollte wenigstens der Film lustig sein.

 

Ich danke dir für das Gespräch!