Der Homeless World Cup - die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft

Matchszene HWC Chile

iPASS - Projektstart erfolgt!

Der Homeless World Cup International mit Sitz im schottischen Edinburgh, fungiert ab sofort für 3 Jahre als Leadpartner des Projekts iPASS! Bei diesem im Rahmen der EU-Programmschiene Erasmus+ geförderten Projekts sind nicht weniger als 21 europäische Partnerländer mit an Bord: von Schweden über Dänemark, die Niederlande, hin zu Ungarn, Slowenien und Griechenland, auch Deutschland und Litauen - um nur einige zu nennen. Und als österreichische Partnerorganisation des Homeless World Cups sind wir dabei! Den Auftakt der gemeinsamen Projektaktivitäten bildete nun in Sofia das große Kick-off-meeting, bei dem die bulgarischen Organisatoren Delegationen von 17 der teilnehmenden Ländern begrüßen konnten. Hauptziel des Projekts iPASS ist es, die Qualität der Arbeit in den Partnerländern zu steigern, indem wir über das Projekt viel Raum für Erfahrungsaustausch bekommen. Die einzelnen Länder zeichnen sich durch sehr unterschiedliche Voraussetzungen aus: von großen Organisationen mit mehreren hauptamtlich Beschäftigten, die landesweit eine großen Anzahl an Spielern betreuen bis hin zu kleinen Organisationen, die nur auf ehrenamtliches Personal zurückgreifen können und demnach nur regional begrenzt tätig sind, reicht das Spektrum. Auch die Prioritäten der einzelnen Projekte sind unterschiedliche: steht mehr die sportliche Leistung im Vordergrund, geht es um den Erwerb von Zusatzqualifikationen zusätzlich zum Fußball, wird nur mit einer bestimmten Zielgruppe des Homeless World Cups trainiert,....auch hier zeigt sich eine große Bandbreite in der Arbeit der einzelnen Länder. Der Auftakt in Bulgarien bot nun schon sehr gute Einblicke in diese Schwerpunkte der nationalen Projekte und demnach die Stärken und Schwächen der einzelnen Partner.

Viktor Kirkov, Organisator der Tagung in Sofia und Leiter des bulgarischen Partners "Team of Hope", Mel Young, Präsident Homeless World Cup und Thomas Jäger, Homeless World Cup Österreich (v. l. n. r.)

Die Aktivitäten des Projekts iPASS gliedern sich im Wesentlichen in 3 Teile: jedes Jahr findet eine große Konferenz ("get together") wie nun eben in Sofia statt, um möglichst alle Projektpartner an einem Tisch zu versammeln und gemeinsam an einer Weiterentwicklung zu arbeiten. Ergänzt werden diese großen Konferenzen von jährlich 3 "partner exchanges": jeweils 3 Gastländer besuchen ein gastgebendes Land, um einen Einblick in die Arbeit vor Ort zu bekommen und zusätzlich an einem in den großen Konferenzen ausverhandelten Schwerpunktthema zu arbeiten. Den dritten Teil bildet schließlich einmal jährlich ein Streetsoccerturnier mit begleitenden Programm (tour d´europe). Das begleitende Programm dient vor allem dazu, die Nachhaltigkeit unserer Arbeit zu stärken und den SpielerInnen neben einem "reinen" Fußballturnier auch in sozialpädagogischen Workshops "soft skills" zu vermitteln, die sie in ihrem weiteren Leben stärken. Den Auftakt zu diesen Events gibt es heuer im Herbst in Manchester. Bei diesen Events treten immer das nationale Homeless World Cup-Team sowie 3 Teams aus dem Gastgeberland gegen 8 Gastteams aus den Reihen der Projektpartnerländer an. Für 2018 bemühen wir uns, diese Veranstaltung nach Graz zu bekommen! Erste Verhandlungen dazu fanden nun in Sofia statt und wir sollen demnächst über die Vergabe informiert werden. Auf unserer Homepage halten wir sie dazu am Laufenden!

Impression vom Fußballtraining in der Romasiedlung

Teil der Konferenz in Sofia war auch eine ausführliche Projektvorstellung des nationalen bulgarischen Partners "Team of Hope". Spannend dabei ist, dass es sich dabei nicht - wie bei den allermeisten der übrigen Partner - um eine NGO handelt, sondern die Bulgaren als Einzige als Firma organisiert sind. Die Herkunft des Projektleiters Viktor Kirkov aus dem Sportjournalismus spiegelt sich darin, dass sie eine sehr umfangreiche Medienarbeit betrieben und das Projekt über viel Medienpräsenz verfügt. Einen interessanten Einblick in die Motivation und Ziele von sozialem Sportsponsoring bot der PR-Leiter des bulgarischen Hauptsponsors telenor (Telekommunikation). Höhepunkt der Projektpräsentation war dann aber der praktische Teil, als wir die Konferenzräumlichkeiten verließen, um nur wenige Kilometer weiter - noch im Stadtgebiet von Sofia - eine Romasiedlung zu besuchen. Es war ein sehr einprägendes Bild, dass sich unserer Gruppe hier am Rande einer EU-Hauptstadt bot: 70.000 Personen der Volksgruppe der Roma wohnen dort in ärmlichsten Verhältnissen! Die Häuser mehr als baufällig, eine unglaublich hohe Arbeitslosenquote und nur eine Schule mit offiziell 1.200 SchülerInnen, von denen aber nie mehr als 500 Kinder zum Unterricht erscheinen. Laut den bulgarischen Projektpartnern wird das Gebiet sich selbst überlassen: die lokalen Behörden kümmern sich nicht, um den Schulbesuch der Kinder sicherzustellen, die Gesundheitsversorgung ist nicht vorhanden, die Polizei meidet das Gebiet. Man kann wirklich von slumartigen Zuständen sprechen, in denen eine große Zahl von Personen ohne Perspektiven lebt. Team of Hope ist es gelungen, vor den letzten Wahlen ("Vor Wahlen sind immer die einzigen Zeiträume, wo man kurz leichte Veränderungen in diesen Siedlungen erreichen kann, weil die Politik dann kurzfristig die Leute mit "Goodies" zu ködern versucht.") einen kleinen Kunstrasenplatz in der Siedlung zu errichten, auf dem nun zweimal wöchentlich Fußballtraining angeboten wird. Das Trainerteam von Team of Hope hat dort immer eine große Zahl begeisteter Fußballer, für die dieses Training eine willkommene Abwechslung im tristen Alltag darstellt. So hatten es voriges Jahr dann auch bereits 3 Spieler aus der Siedlung geschafft, Teil des bulgarischen Homeless World Cup Nationalteams in Amsterdam zu sein! Wie schwierig es ist, die Arbeit nachhaltig zu machen, beschreibt Viktor Kirkov abschließend sehr gut: "Einer der 3 hat nun eine fixe Arbeitsstelle. Aber nur, weil er nach England gezogen ist. Die beiden anderen wollen (noch) nicht ins Ausland. Wir haben ihnen auch mehrere Vorstellungsgespräche vermitteln können, aber sobald sie ihre Adresse sagen, ist es vorbei. Leute, die in der Siedlung wohnen, werden nirgends angestellt!"

Bericht dazu auf der internationalen Homeless World Cup Website

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Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.