Der Homeless World Cup - die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft

Matchszene HWC Chile

Präsentation des österreichischen Homeless World Cup Nationalteams 2015

Foto von der Pressekonferenz

Das Homeless World Cup Nationalteam 2015 mit Teamchef Gilbert Prilasnig (rechts hinten) und den Hauptsponsoren Manfred Gaulhofer (Gaulhofer Industrie Holding) und Philipp Bodzenta (Coca-Cola) sowie ÖFB-Präsident Leo Windtner und Caritas-Präsident Michael Landau (stehend, v.l.n.r.) bei der Präsentation im magdas hotel.

Österreich ist bereit für die soziale Straßenfußball-WM

 

Vor dem Anpfiff des EM-Qualifikationsspiels Österreich gegen Moldawien im Wiener Ernst-Happel-Stadion wird das österreichische Homeless World Cup Nationalteam von ÖFB und von Sponsorenvertretern offiziell zur sozialen Straßenfußball-Weltmeisterschaft in Holland verabschiedet. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Vortrag mit Caritas Präsident Michael Landau, ÖFB-Präsident Leo Windtner, den beiden Vertretern der Hauptsponsoren Manfred Gaulhofer (Gaulhofer-Industrie-Holding) und Philipp Bodzenta (Coca-Cola) präsentiert der Teamchef der österreichischen Auswahl Gilbert Prilasnig seine Mannschaft.

Der Homeless World Cup, die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft, ist ein globaler Event mit erstaunlichem sportlichem Niveau. Die XIII. Auflage des sozial-integrativen Turniers wird heuer von 12. bis 19. September in Amsterdam am Museumplein gespielt.Österreich konnte sich in den letzten Jahren stets unter den Top-Nationen platzieren. Das Streetsoccer-Team wird jedes Jahr neu zusammengestellt. Durch diese spezifische Homeless-World-Cup-Regel sollen immer wieder neue Spieler wertvolle Erfahrungen bei der WM machen, um diese danach auf ihrem weiteren Lebensweg entscheidend nützen zu können. Wer beim Homeless World Cup spielt, kommt vom Rand der Gesellschaft, ist im Leben gefallen, aber wieder aufgestanden und sucht nun über den Sport einen Weg in eine bessere Zukunft.

Im Vorjahr erreichte Österreich beim Homeless World Cup unter 48 Nationen den 23. Platz. Die Idee zu der sozialen Straßenfußball-WM stammt übrigens aus Österreich. Die erste Weltmeisterschaft fand 2003 in Graz statt.

Das österreichische Homeless World Cup Nationalteam 2015

Die Spieler für Amsterdam....

Abas HASSANI, 19 Jahre, Omega Graz, Tormann
Alireza RAZAWI, 19 Jahre, FC Sarallah, Wien
Efe AUGBANGBEE, 26 Jahre, Megaphon, Steiermark
Khaled RAHMATI, 21 Jahre, Caritas Graz, Tormann
Armin LEIPERT, 21 Jahre, Grüner Kreis, Niederösterreich
Razeq ZAMIRI, 19 Jahre, FC Sarallah, Wien
Davut KHAWARI, 19 Jahre, FC Hadaf, Steiermark
Peter ZUSER, 41 Jahre, Suchtberatung Klagenfurt

DDr. Michael Landau / Caritas-Präsident

Herzlich Willkommen sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich heute hier im Rahmen der Pressekonferenz zum Start des Homeless World Cup 2015 mit dabei sein darf.

Denn der Homeless World Cup ist nach 13 Jahren seines Bestehens eine Institution, international bekannt und ausgezeichnet. Vor allem aber beeindruckt mich eine Zahl: Mehr als 5.000 Spieler und Spielerinnen haben bis jetzt beim Homeless World Cup teilgenommen und über den sportlichen Erfolg Selbstvertrauen, Bestätigung und Stolz zurück gewinnen können. Genau darum geht es meiner Meinung nach auch bei Sozial- Projekten, wo der Sport mit all seiner Kraft zu motivieren und zu begeistern im Mittelpunkt steht. Und was würde sich dafür besser eignen als ein Fußball – Turnier? Ich sage das auch mit einem großen Danke an die Caritas Graz und Harald Schmied bzw Franz Küberl. Fußball eint die Menschen weltweit, auf dem Platz, auf den Zuschauerrängen und beim Fachsimpeln darüber.

Wer Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung erfolgreich bekämpfen will, muss immer wieder bereit sein, neue Wege zu gehen. Unter sozialen Innovationen verstehen wir daher Ansätze, die neue Lösungen für gesellschaftliche Probleme aufzeigen und dabei oft in unkonventioneller Form Synergien erschließen.

Es gibt heute viele Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen nur sehr schwer Anschluss an die Gesellschaft, die zurück bleiben, vereinsamen, die drohen, die Hoffnung zu verlieren.

Der Caritas sind Menschen am Rand der Gesellschaft ein Anliegen. Gemeinsam kämpfen wir für die Beseitigung materieller Not, aber auch dafür, dass Menschen von den Rändern wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken.

Und der Homeless World Cup spricht genau in diesem Sinne eine Einladung aus – an Flüchtlinge, an Straßenzeitungsverkäufer, an Wohnungslose, an Menschen, die mit einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit zu kämpfen haben.

Wer bereit ist, sich den Mühen der mehrwöchigen Vorbereitung zu stellen, der hat die Möglichkeit, an der sozialen Straßenfußball-Weltmeisterschaft teilzunehmen – als Teil eines Teams, im Wettkampf und im freundschaftlichen Zusammensein mit Spielern und Spielerinnen aus der ganzen Welt.

Der Homeless World Cup – dessen Wurzeln, wie wir wissen in Österreich liegen, der von Caritas Steiermark 2003 erstmals durchgeführt wurde – ist in diesem Sinn Leuchtturmprojekt für alle sogenannten ressourcenöffnenden Ansätze in der sozialen Arbeit – es gibt noch viele andere derartige Beispiele, die in den vergangenen Jahren erfolgreich waren – die Wiener Projekte „Käfig League“, „Tanz die Toleranz“, das steirische Projekt SIQ! oder das aus Südamerika stammende und auch in mehreren österreichischen Bundesländern durchgeführte Chorprojekt „superar“.

Im Zentrum all dieser Initiativen stehen Zielsetzungen wie Ermutigung, Selbstvertrauen, Respekt, Gemeinschaft. Wenn das erste emotionale Eis erst einmal geschmolzen ist, dann können weitere Schritte der Integration folgen.

Das Besondere am Homeless World Cup ist, dass es gelungen ist, diesen Ansatz wirklich auf eine globale Ebene zu heben. Jedes Jahr nehmen Teams aus über 50 Nationen an dieser sozialen Straßenfußball-Weltmeisterschaft teil. Dass immer auch ein Team aus Österreich mit dabei sein kann, dafür sorgt die Caritas – die steirische Caritas übernimmt in diesem Fall die Koordination für das gesamte Bundesgebiet – auch diesmal sind wieder Spieler aus Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten mit dabei.

Ich danke allen Sponsoren, die durch ihre finanzielle Unterstützung die Basis legen, dass dieses Projekt jedes Jahr durchgeführt werden kann – und nicht nur das: Durch die parallele Etablierung der Initiative Goal ist es zu einem Ganzjahresprojekt geworden. So haben auch Spieler, die es nicht in das jeweilige WM-Aufgebot schaffen, die Chance, über den Sport in ein besseres Leben zu finden.

Und ich danke in besonderer Weise dem ÖFB, der die Initiative Homeless World Cup ganz stark mitträgt. Die Unterstützung des Projekts und auch die Wertschätzung zeigen sich u.a. in der Anwesenheit von ÖFB-Präsident Windtner bzw. in der morgigen offiziellen Verabschiedung unserer Teams im Ernst-Happel-Stadion. Danke!

Sehr geehrte Damen und Herren! Der Homeless World Cup ist ein Volltreffer für Menschen am Rand der Gesellschaft. Mit ihm wurde eine internationale Plattform geschaffen, auf der die Spielerinnen und Spieler zeigen können, was sie drauf haben.

Jeder Mensch verdient es, eine neue Chance zu bekommen. Kein Mensch ist „nur obdachlos“, „nur drogenabhängig“, „nur alkoholabhängig“. Kein Mensch möchte ein Leben lang ein Flüchtling bleiben. Jeder will zeigen, dass er mehr ist, als die Kiste, in die seine Defizite gepackt werden, die Lade, in die man Menschen oft allzu leicht steckt.

Rund 100 Spieler aus Österreich haben bisher am Homeless World Cup teilgenommen. Hinter dem Homeless World Cup in Österreich stehen über 30 soziale Einrichtungen aus ganz Österreich.

Nach dem Turnier geht es weiterhin um die Verbesserung der persönlichen Lebenssituation in kleinen Schritten. Dabei begleiten wir Menschen, auf ihrem je eigenen Weg. Damit sie ihr eigenes Leben leben können; selbstverantwortet und selbstbestimmt. Und die Statistiken nach zwölf Jahren Homeless World Cup beweisen es: zwei Drittel der Spieler schaffen es danach, ihre Lebenssituation signifikant zu verbessern. Der Homeless World Cup verändert etwas – gesellschaftlich, aber auch für alle, die sich darin engagieren.

Ich wünsche den Spielern sowie den ehrenamtlichen Betreuern Teamchef Gilbert Prilasnig und Coach Klaus Fuchs beim Homeless World Cup in Amsterdam das Allerbeste! Viel Erfolg! Und herzliche Gratulation schon heute!

 

Dr. Leo Windtner / ÖFB-Präsident

Der Homeless World Cup liegt dem Österreichischen Fußball-Bund besonders am Herzen. Es ist ein Vorzeigeprojekt geworden, das eindrucksvoll zeigt, in welchen Bereichen des Lebens der Fußball eine Perspektive öffnen und positive Veränderungsprozesse einleiten kann. Damit unterstreicht er die soziale Verantwortung, die wir alle gemeinsam zu tragen haben. Es erfüllt uns auch mit Stolz, dass einerseits dieses Projekt österreichische Wurzeln hat, denn Harald Schmied hat diesem Projekt vor zwölf Jahren gemeinsam mit Mel Young Leben eingehaucht. Andererseits hat das Homeless-Team mit Gilbert Prilasnig auch einen ehemaligen Nationalspieler als Trainer. Die Auszeichnung für diese Initiative durch den Europäischen Fußball-Verband UEFA ist ein Qualitätsbeweis dieses Projekts, das wir als größter Sport-Fachverband sehr gerne unterstützen. Ich wünsche dem Team alles Gute für eine erfolgreiche WM 2015 in Holland!

 

Dr. Manfred Gaulhofer / Stv. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gaulhofer Industrie Holding GmbH

Das derzeit beherrschende Thema der europäischen Politik – die vielen Flüchtlinge, die fern der Heimat Zuflucht vor Krieg und Verfolgung suchen – verleiht  dem Homeless World Cup besondere Aktualität:  Will er doch Menschen, die kein Zuhause haben, dabei unterstützen, ihre Würde trotz der Heimatlosigkeit zu bewahren bzw. sie wieder zu erlangen.

Die Eiseskälte und die menschenverachtende Ablehnung, die den Heimaltlosen seitens vieler Angehöriger der  europäischen Wohlstandgesellschaft entgegenschlagen, sind Gaulhofer ein Auftrag, Solidarität mit denen zu zeigen, die versuchen, unter völlig neuen Rahmenbedingungen ein menschenwürdiges Leben zu beginnen. 

 

Mag. Philipp Bodzenta / Sprecher von Coca-Cola

Der Homeless World Cup ist hier ein herausragendes positives Beispiel dafür, wie man Fußball mit sozialem Engagement verbinden kann. Coca-Cola ist stolz darauf, im Sinne der Tradition von 128 Jahren Lebensfreude, diese Initiative unterstützen zu dürfen. Besonders freut es mich auch, dass mit dem Projekt „Goal on Tour“ durch den Gewinn bei „Ideen gegen Armut“ die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung gelegt und der Homeless World Cup in Österreich zu einem Ganzjahresprojekt ausgebaut werden konnte. So können noch mehr Menschen über den Sport zurück in ein besseres Leben finden.

 

Mag. Gilbert Prilasnig / Teamchef – Homeless World Cup Nationalteam

Die Vorbereitungen auf den Homeless World Cup 2015 begannen bereits im Februar in Wien. Beim Hallenfußballturnier „Cup der guten Hoffnung“ – veranstaltet von Wiener Sozialeinrichtungen wie der Gruft, dem Neunerhaus, login und der Straßenzeitung Augustin in Kooperation mit der Initiative Goal – wurden mögliche Kandidaten für Amsterdam gesichtet. Ebenfalls zur Sichtung genutzt wurde das 12. Integrations-Hallenfußballturnier der DSG Kärnten im März in Klagenfurt.

Im Mai starteten schließlich die Trainings: bei einem eintägigen Sichtungstraining in Graz und zwei Tagen in Wien wurden die vielversprechendsten Spieler ausgewählt und zu einem Trainingstag Anfang Juli nach Graz eingeladen.

Noch vor diesem Trainingstag ging es nach Berlin zum European Homeless Cup, bei dem Österreich mit einem gemischten Team aus ehemaligen Homeless World Cup-Spielern sowie Kandidaten für heuer antrat und hinter Litauen den 2. Rang belegen konnte.

Schon traditionell startete das Homeless World Cup Team im Juli dann nach Polen, um beim hochkarätigen Wroclaw Cup wertvolle Turniererfahrung für Amsterdam zu sammeln.

Die heiße Phase der Vorbereitung läuft seit August – die 8 Spieler sind ausgewählt und haben sich in einem intensiven Trainingslager in Zeltweg auf ihren Antritt in Holland vorbereitet. Neben den Trainingseinheiten am Streetsoccer Court standen auch Videostudium von Homeless World Cup-Matches und Taktikbesprechungen am Programm. Neben einem Go-Kartrennen als Teambuilding waren aber sicher die Trainingsmatches gegen das Sandvik-Firmenteam die Highlights des Aufenthalts in der Obersteiermark.

Abgeschlossen wird die Vorbereitung nun mit einem dreitägigen Aufenthalt in Wien an diesem Wochenende. Nach der Pressekonferenz mit der Präsentation des Teams am Freitag, gibt es Teambuildingseinheiten am Nachmittag sowie ein Abendtraining in der Fun&Sporthalle Dusika. Am Wochenende wird dann im BSFZ Südstadt trainiert. Ein Schwerpunkt dabei ist, knapp vor dem Abflug nach Amsterdam Matchpraxis zu sammeln. Deshalb wird auch das ungarische Homeless World Cup Nationalteam morgen in die Südstadt kommen, wo beide Nationalteams dann von einem Team ehemaliger österreichischer Homeless World Cup-Spieler gefordert werden. Morgen Abend ist das Team zur offiziellen Verabschiedung im Rahmen des Länderspiels Österreich gegen Moldawien in das Ernst Happel-Stadion geladen. Den Sonntag nutzen wir schließlich noch mit zwei Trainingseinheiten für den letzten Feinschliff, bevor wir am Freitag, 11. September frühmorgens das Flugzeug nach Amsterdam besteigen. Bereits einen Tag darauf wartet mit Griechenland unser erster Gegner in der Vorrunde. Die weiteren Vorrundengegner sind England, Peru, Polen und Zimbabwe. 

Fact Sheet

 

  • XIII. Homeless World Cup, Amsterdam (Museumplein), 12. bis 19. September 2015
  • Homeless World Cup – eine Weltreise
  • Graz 2003: 18 Nationen, Weltmeister Österreich, Vizeweltmeister England
  • Göteborg 2004: 26 Nationen, Weltmeister Italien, Vizeweltmeister Österreich
  • Edinburgh 2005: 27 Nationen, Weltmeister Italien, Österreich 8. Platz
  • Capetown 2006: 48 Nationen, Weltmeister Russland, Österreich 45. Platz
  • Kopenhagen 2007: 48 Nationen, Weltmeister Schottland, Österreich 33. Platz
  • Melbourne 2008: 56 Nationen, Weltmeister Afghanistan, Österreich 15. Platz
  • Milano 2009: 48 Nationen, Weltmeister Ukraine, Österreich 23. Platz
  • Rio de Janeiro 2010: 56 Nationen, Weltmeister Brasilien, Österreich 17. Platz
  • Paris 2011: 48 Nationen, Weltmeister Schottland, Österreich 21. Platz
  • Mexico City 2012: 44 Nationen, Weltmeister Chile, Österreich 7. Platz
  • Posen 2013: 48 Nationen, Weltmeister Brasilien, Österreich 10.Platz
  • Santiago de Chile 2014: 48 Nationen, Weltmeister Chile, Österreich 23.Platz

 

Women’s Homeless World Cup

 

  • Melbourne 2008: 8 Nationen, Weltmeisterinnen Sambia
  • Rio de Janeiro 2010: 12 Nationen, Weltmeisterinnen Brasilien
  • Paris: 2011: 16 Nationen, Weltmeisterinnen Kenia
  • Mexico City 2012: 12 Nationen, Weltmeister Mexiko
  • Posen 2013: 12 Nationen, Weltmeisterinnen Mexiko
  • Santiago de Chile 2014: 12 Nationen, Weltmeisterinnen Chile

 

Der weitere Fahrplan

Kalkutta 2016 (geplant)