Der Homeless World Cup - die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft

Matchszene HWC Chile

Erstes Frauenteam!

Seit dem ersten Homeless World Cup 2003 ist Österreich immer im Mixedbewerb vertreten. Seit 2011 wird bei der sozialen Straßenfußball-Weltmeisterschaft auch ein eigener Damenbewerb ausgetragen. Bisher jedoch noch ohne Österreich. Doch ein erster großer Schritt zu unserem mittelfristigen Ziel, auch mit einem Damenteam beim Homeless World Cup anzutreten, erfolgte kürzlich: bei den European Soccer Championships in Prora auf der Insel Rügen waren wir erstmals mit Damen vertreten! 4 junge Mädls rund um Trainerin Maria Santos machten sich von Graz über Berlin auf die Reise an die Ostsee. Dieses von der Sportjugend Brandenburg und der Deutschen Soccer Liga ausgetragene Turnier erwies sich als optimaler Start in die internationale Turnierszene. Auf Prora wurde nämlich nicht nur Fußball gespielt, sondern rund um die Veranstaltung, die zeitgleich mit dem Finale der Deutschen Soccer Liga stattfand, wurde den teilnehmenden internationalen 9 Damen- und 14 Herrenteams ein breites Rahmenprogamm geboten.

Doch zuerst zum sportlichen Part: unser noch sehr junges (jüngstes im Bewerb) Team konnte bzw. musste reichlich Erfahrung sammeln gegen teils sportlich sehr hochwertige Gegnerinnen. Doch unsere Spielerinnen rund um Mansura "Minat" Elsanova zeigten großen Einsatz und versuchten mangelnde Routine mit umso mehr Einsatz wettzumachen. Leider waren wir in der Defensive so beschäftigt, dass geglückte Offensivaktionen am ersten Turniertag eher selten waren. Gegen die spielstarken Deutschen oder auch die sehr routinierten Ungarinnen war für uns nichts zu holen und umso größer war dann die Freude, als wir - quasi als Pendant zur soeben gespielten Euro in Frankreich - gegen die Portugiesinnen ein 0:0 holen konnten und den ersten Punkt einfuhren.

  • Wir spielten u. a. gegen Dänemark...

    Wir spielten u. a. gegen Dänemark...

  • Nach jedem Match gabs für beide Teams eine Besprechung des Fair Plays!

    Nach jedem Match gabs für beide Teams eine Besprechung des Fair Plays!

  • ...gegen Deutschland...

    ...gegen Deutschland...

  • ...und gegen Schweden.

    ...und gegen Schweden.

  • Bereit für Tag 2!

    Bereit für Tag 2!

  • Nach der einen oder anderen Niederlage ist den Mädls (aber nur) kurz das Lachen vergangen...

    Nach der einen oder anderen Niederlage ist den Mädls (aber nur) kurz das Lachen vergangen...

"Die Qualität der anderen Teams war sehr hoch, wir haben aber trotzdem eine gute Vorstellung geliefert!"

Unsere Trainerin Maria Santos bringt es ganz gut auf den Punkt. Nach einem Ruhetag wurde das Turnier mit den letzten Vorrundenspielen fortgesetzt. Die beiden deutschen Teams matchten sich schließlich in der KO-Phase mit Ungarn und Schweden um den Turniersieg, während wir nach dem Rückzug von Finnland und Russland nur mehr gegen Dänemark und Portugal um die hinteren Platzierungen spielten. Die beiden letzten Matches waren dann nichts für schwache Nerven: Gegen Portugal schien alles wieder auf ein 0:0 wie im Hinspiel der Vorrunde hinauszulaufen, als nach einem unglücklichen Handspiel unsere Gegnerinnen einen Penalty zugesprochen bekamen. Nervenstark verwandelte die portugiesische Spielerin diesen zum knappen 1:0-Sieg ihres Teams. Gegen Dänemark gingen wir durch ein schönes Tor von Minat in Führung und die Däninnen drückten auf den Ausgleich. Doch unsere Defensive rund um Doaa hielt das Tor rein, bis sich leider Doaa bei einer Abwehraktion überknöchelte und am Boden liegen blieb. Das Spiel lief weiter, die Däninnen reagierten in der Situation schneller und nutzten die Verwirrung zum 1:1 Ausgleich, was zugleich der Endstand war. Dies bedeutete, dass wir unsere internationale Turnierpremiere mit einem Frauenteam auf Platz 7 beendeten. Marwa zog das sehr treffende Resumee: "Wir haben viel Erfahrung gesammelt und gesehen, welches Niveau wir haben. Jetzt wissen wir, dass wir noch mehr trainieren müssen."

Dichtes Programm auch abseits des Fußballs

Dass die Stimmung in unserem Team so gut war und die eine oder andere Niederlage schnell vergessen wurde, liegt neben dem tollen Klima innerhalb des Teams sicher auch am vielfältigen Rahmenprogramm, das uns die Organisatoren in Deutschland boten. So gab es schon vor dem Turnierstart ein Kennenlernprogramm mit unterschiedlichsten Spielen am Strand für alle internationalen Teams. In den Matchpausen und vor allem am Ruhetag zwischen den beiden Turniertagen wurde rund um die Jugendherberge Prora ein abwechslungsreiches Sport- und Freizeitprogramm angeboten: von der Kletterwand ging es weiter zu Capoeira, bei Dribbelparcours und Torschusswänden konnte man seine fußballerischen Fähigkeiten testen und auch exotische Sportarten wie das osteuropäische Wurfspiel Gorodki wurden vorgestellt und konnten ausprobiert werden. Das Motto der gesamten Veranstaltung, nämlich "Fair Play", zeigte sich nicht nur bei den Fußballspielen, bei denen ohne Schiedsrichter, sondern nur mit den sogenannten Teamern gespielt wurde. Diese griffen nur in "Notfällen" ein, wenn die beiden Teams die Situation selbst nicht mehr im Griff hatten. Und ganz wesentlich war auch nach jedem Match die Besprechung der Teamer mit beiden Teams, wo die endgültige Vergabe der Fair Play-Punkte vereinbart wurde. Unser Team war übrigens bei der Fair Play-Wertung im absoluten Spitzenfeld, aber gegen Portugal war kein Kraut gewachsen. Die Südeuropäerinnen schafften es nämlich, das gesamte Turnier ohne einen einzigen Punkteabzug in der Fair Play-Wertung zu beenden und holten sich diese Trophäe ungefährdet. Zurück nun aber zum Fair Play im Rahmenprogramm: der DOSB bot mit seinem in der Sportinklusion vorbildlichem Programm "Integration durch Sport" den teilnehmenden Teams Fair Play-Workshops an, was auch unsere Spielerinnen nutzten.

  • Zum Aufwärmen das große Kennenlernen am Strand

    Zum Aufwärmen das große Kennenlernen am Strand

  • Minat und Sarah mittendrin dabei bei den Kennenlernspielen

    Minat und Sarah mittendrin dabei bei den Kennenlernspielen

  • Unser Team bei der Eröffnungsfeier

    Unser Team bei der Eröffnungsfeier

  • Die unrühmliche Nazi- und DDR-Vergangenheit von Prora erfuhren wir bei einer Führung

    Die unrühmliche Nazi- und DDR-Vergangenheit von Prora erfuhren wir bei einer Führung

  • Unsere Spielerinnen beim Fair Play-Workshop des DOSB

    Unsere Spielerinnen beim Fair Play-Workshop des DOSB

  • Mit unserem "Fanclub" Anna, Justin und Paul - Danke für die Unterstützung!

    Mit unserem "Fanclub" Anna, Justin und Paul - Danke für die Unterstützung!

  • Rund um die Jugendherberge wurde ein tolles Programm geboten

    Rund um die Jugendherberge wurde ein tolles Programm geboten

  • Marwa in der Kletterwand

    Marwa in der Kletterwand

  • Unsere Mädls mit den späteren Turniersiegerinnen von Deutschland I

    Unsere Mädls mit den späteren Turniersiegerinnen von Deutschland I

  • Jeden Abend war Partytime auf der großen Showbühne...

    Jeden Abend war Partytime auf der großen Showbühne...

  • ...und die gesamte Hausfront der Jugendherberge wurde dabei für spektakuläre Lasershows benutzt.

    ...und die gesamte Hausfront der Jugendherberge wurde dabei für spektakuläre Lasershows benutzt.

  • In den Pausen gings an den Strand.

    In den Pausen gings an den Strand.

  • Gruppenbild mit einigen der internationalen Teams

    Gruppenbild mit einigen der internationalen Teams

"Ich fand alles perfekt, außer das Kofferpacken am Sonntag - weil ich wollte noch bleiben."

Diese Zitat von Minat zeigt genauso wie Doaas "das war die beste Zeit die ich je hatte", wie begeistert unsere Spielerinnen von der Reise nach Deutschland waren. Den Teamspirit hebt auch Maria Santos hervor, die außerdem meint, dass es "eine große Ehre für uns war, dort mitzuspielen. Besonders dieser hohe Stellenwert des Fair Play war eine tolle Erfahrung für uns und wir hoffen, nächste Jahr wieder mitzuspielen und uns dann auch sportlich ein wenig zu verbessern."Die Motivation bei den Mädchen ist geweckt, das nächste Highlight wird erstmals ein eigener Damenbewerb bei unserem Goal Open im Herbst sein und wir hoffen, dass dieses Team auch Vorbildwirkung auf andere Frauen und Mädchen hat und wir den Damenfußball in unserer Initiative Goal somit forcieren können.

Bevor es dann aber endgütlig zurück nach Graz ging, blieb noch Zeit, beim Zwischenstopp in Berlin ein wenig Sightseeing zu machen.

Ein Luftsprung vor dem Reichstag in Berlin