Der Homeless World Cup - die soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft

Matchszene HWC Chile

Frauenpower - das erste Homeless World Cup Frauen-Team

Heuer gibt es erstmals ein Frauen Homeless World Cup-Nationalteam Österreich. "Es soll einfach ganz normal werden, dass die, die die Leidenschaft haben, auch diesen Sport ausüben können und dürfen", erzählt Trainerin Maria Santos im Interview.

Das ÖFB-Damenteam eilt von Erfolg zu Erfolg, mit Spratzern ist Österreich auch in der Championsleague vertreten, aber weiterhin fristet der Frauenfußball in Österreich eher ein Schattendasein. Nicht viel anders bei uns: beim Homeless World Cup und der Initiative Goal hatten wir bisher die nationalen Bewerbe wie z.B. unser alljährliches Goal Open in Graz zwar schon lange als „Mixed-Bewerbe“ ausgeschrieben, aber die Beteiligung von Frauen war – vorsichtig ausgedrückt – „überschaubar“.

 

Frauenfußball als Trend

Schön langsam setzt sich aber der internationale Trend Frauenfußball auch in Österreich durch und auch wir wollen bewusst Schritte in diese Richtung setzen. So gibt es heuer erstmals ein Frauen Homeless World Cup-Nationalteam Österreich!

 

Vorbereitung auf ersten internationalen Turnierauftritt

Die jungen Damen bereitet sich bereits intensiv auf ihren ersten internationalen Turnierauftritt vor, der Ende Juli im Rahmen der European Soccer Championships in Prora auf der Insel Rügen in Deutschland stattfinden wird.

Geleitet wird dieses Training von der spanischen Trainerin Maria Santos, die wir hiermit kurz auch als erste Homeless World Cup Österreich-Teamchefin vorstellen wollen:

 

Maria, wie bist du eigentlich zum Fußball gekommen?

Ah, da war ich noch ganz klein. Ich habe als Kind schon immer gespielt, mein Vater hat es mir beigebracht. Während meinem Studium war ich dann im Universitätsteam und wir haben Meisterschaften in Spanien mitgespielt.

Teamchefin Maria Santos (c) Birgit Hofstadler

Und wie bist du dann nach Graz gekommen?

"Der Job war es, ich habe vor 11 Jahren deswegen meinen Wohnsitz nach Österreich verlegt."

 

Um dann nebenbei Fußballtrainerin zu werden?

"Naja, das hat sich eigentlich zufällig ergeben. Ich war als Technikerin für einen Workshop mit Mädchen ins Mädchenzentrum JA.M eingeladen und wir sind auf Fußball zu sprechen gekommen, ich habe erzählt, dass ich selber spiele. Nachdem damals gerade ein Team geplant war im Mädchenzentrum wurde ich gefragt, ob ich nicht die Trainerinnenrolle übernehmen könnte. Und das hat mein Leben verändert! Der Kontakt mit den Mädls ist so lustig, eine super Erfahrung für mich!"

 

Fußballgruppe "FC JA.M United"

Zum Start einer eigenen Damenschiene im Homeless World Cup Österreich wird nun auf eben diese Fußballgruppe des Goal-Partners „FC JA.M United“ (Kooperationsprojekt des Mädchenzentrums JA.M und des sozialintegrativen Sportprojekts SIQ) zurückgegriffen und in einem Auswahlverfahren wurden 4 Spielerinnen ausgewählt, die Österreich in Deutschland vertreten dürfen.

 

Was bedeutet nun diese Reise zu einem großen internationalen Turnier für die Mädchen und dich?

"Das ist so eine Ehre! Es freut die Mädchen und mich so, dass wir Österreich vertreten dürfen. Und es ist schön zu sehen, wie motiviert die Mädls sind, wie sie sich auf die Reise jetzt schon freuen! Sie haben so viel Interesse an Fußball und die Chance, dorthin zu fahren hat ihre Motivation noch weiter gesteigert."

 

Mehr als nur Fußball

Beim Homeless World Cup geht es klarerweise um mehr als Fußball. Der Sport soll für Menschen „vom Rand der Gesellschaft“ eine Chance bieten, um Selbstvertrauen zu tanken, ihre Probleme hinter sich zu lassen. Nachdem die Teilnahmekriterien bei den European Soccer Championships aber nicht so streng ausgelegt sind, waren die Auswahlkriterien für unser erstes Damenteam auch dementsprechend lockerer. Nichtdestotrotz haben aber viele der Mädchen im FC JA.M United selbst z. b. auch Fluchterfahrung, kommen aus sozial prekären Verhältnissen usw. Angesprochen auf die soziale Rolle des Fußballs betont Santos daher: „Sport und Fußball ist so ein großartiges Ding! Wir spielen gemeinsam, haben Spaß miteinander. Und wir haben vor allem auch ein gemeinsames Ziel! Das verfolgen wir, da ist es dann unwichtig, welche Unterschiede wir haben, woher man kommt, welche Probleme die eine oder andere Spielerin hat – wir spielen Fußball und darauf konzentrieren wir uns gemeinsam!"

 

Willst du abschließend noch was ergänzen?

"Mir ist es wichtig, dass wir da als Damenteam nach Deutschland fahren. Damit machen wir auch Promotion für den Damenfußball, wir wollen zeigen, dass auch wir Frauen spielen können. Es soll einfach ganz normal werden, dass die, die die Leidenschaft haben, auch diesen Sport ausüben können und dürfen."

 

Die vier TeilnehmerInnen

Wer nun die vier jungen Damen sind, die mit Maria Santos die Reise nach Deutschland antreten werden, wird in Kürze hier auf unserer Homepage bekannt gegeben. Folgen werden auch die Turnierberichte aus Deutschland. Doch mit dieser Turnierreise sind unsere Bemühungen Richtung sozialem Frauenfußball nicht vorbei: beim 6. Goal Open im Herbst in Graz wird es erstmals einen eigenen Frauenbewerb geben und nicht nur dafür sind wir auf der Suche nach sozialen Fußballprojekten, die Frauen involvieren wie z.B. unser Goal-Partner "Kicken ohne Grenzen" aus Wien. Verfolgen Sie daher weiter über unsere Homepage die Weiterentwicklung des österreichischen Frauen-Homeless World Cup-Nationalteams und die Bemühungen in Richtung Frauenfußball im Rahmen unserer Initiative Goal.